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Die Kunst ist die Erinnerung der Kultur (AT)

[45 Jahre Ästhetik des Widerstands – neu gelesen und in Leichte Bilder übersetzt]

Peter Weiss veröffentlichte zwischen 1975 und 1981 den umfangreichen Essay-Roman „Ästhetik des Widerstands” (ÄdW), der in beiden Teilen Deutschlands eine breite Rezeption erfuhr. Er beginnt 1937 mit drei jungen Männern vor dem Pergamonaltar. Sie analysieren, welche Tätigkeiten für desseb Entstehung notwendig und welche Personen beteiligt waren – und welche Geschichten sich mit ihm erzählen lassen. Weiss zeigt hier, welche Rolle Kunst und Kultur für die Entstehung politischen Widerstands in totalitären Strukturen spielen können. Seine Figuren nehmen sich das Recht, Kunstwerke zu deuten, sie mit eigenen Erfahrungen zu verbinden und (Kunst-)Geschichte neu zu interpretieren. So dient Kunst zur Reflexion der eigenen Situation, zur politischen Bewusstseinsbildung, als Orientierung für kollektives Handeln und zur Demokratiebildung.
Der Roman kann wichtige Impulse für aktuellen Diskurse geben: Wie machen wir komplexe Zusammenhänge verständlich? Wie lässt sich kulturelles Wissen demokratisieren? Gerade in Zeiten finanzieller Kürzungen bei Kultur, Inklusion und (sozialer) Nachhaltigkeit ist es entscheidend, Haltungen zu fördern, die ein demokratisches Miteinander stärken.

Meine Illustrationen sollen ausgewählte Passagen des Romans in verständliche Bildsequenzen transformieren.
Leichte Bilder dienen bisher vorrangig zur Aufbereitung sachlicher Informationen für Menschen mit Lernschwierigkeiten und anderen Zugänglichkeitsbedarfen. Entsprechend didaktisch und stereotyp wirken sie oft. Mein Ziel ist es, für die Illustration der ÄdW eine ästhetische Form zu finden, die über die Stereotypen der Gestaltung Leichter Bilder hinausgeht, ohne die für sie wichtigen Kriterien zu vernachlässigen. Wie lässt sich eine hohe Anmutungs- und Darstellungsqualität mit visueller Lesbarkeit und Verständlichkeit vereinen?

Ich verknüpfe die im Roman behandelten Kunstwerke mit Fragen inklusiver Darstellung. Das Projekt soll die ÄdW nicht nur lesbar, sondern erfahrbar machen – auch für Menschen, die bisher wenig Zugang zu diesen Diskursen haben. Mit Weiss möchte ich historische und gesellschaftliche Erfahrungen sowie ästhetische und politische Erkenntnisse der Arbeiterbewegung aus der Zeit des Widerstands gegen den Faschismus lebendig halten, in der Hoffnung so zeigen zu können, dass Bildung hilft, die Welt zu deuten und für sich selbst einzustehen – und dass Widerstand möglich ist.

Künstlerischer Impuls: John Flaxman

Die Umsetzung: Leichte Bilder, Leichte oder Einfache Sprache

Gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig