Zum Inhalt springen

Art as Healing/Art of Mercy

Schluckbildchen, visuelle Recherche, Übersetzung und ganz viel Kontext

erste Ideen, die im Corona-Kontext entstanden sind

Schluckbildchen, kleine Zettel mit Darstellungen eines Kultbildes, dienen seit dem Mittelalter als „religiöse Volksmedizin“. Sie werden verspeist oder in Getränken aufgelöst, um körperliche und seelische Beschwerden zu lindern. Als Massenware gedruckt werden sie vornehmlich an Wallfahrtsorten verteilt – bis heute. Esszettel, lediglich mit Text versehen, die dem gleichen Zweck dienen, werden durch Einfügen des Namens des Kranken individualisiert. Als moderne Form können „Blotter“ zur Drogenaufnahme begriffen werden, in deren Motivwahl sich die Form der mit ihnen angewandten Magie ebenso spiegelt, wie es bei den Heiligenbildchen der Schluckzettel der Fall ist.

Das Phänomen, Darstellung und Medizin, Kunst und Glaube miteinander zu verknüpfen – in einer Form, die einerseits in Massenauflagen ein großes Publikum bedient, während sie sich anderseits individuell formatieren lässt – findet sich gegenwärtig vor allem virtuell in den Echokammern sozialer Medien. Entsprechend wenig greifbar ist es und entsprechend groß die Rolle, die dem individuellen Glauben dabei zukommt.
In der Pandemie wurden neben Rufen nach politischen und klinischen Maßnahmen auch die nach neuen moralischen und emotionalen Richtlinien laut. Anstelle einfacher Antworten liefern die „heilenden Bilder“ Anlass zur Auseinandersetzung: Wie sehr glauben wir Bildern? Wie formatieren wir sie? Welche Wirkmacht schreiben wir ihnen zu? Was bedeutet es, sich Dinge einzuverleiben, sie zum Teil seiner selbst zu machen? Welcher Magie wollen wir vertrauen? Handelt es sich um einen Fluchtversuch aus einer Realität, der wir uns nicht gewachsen fühlen?

Ein NEUSTART Stipendium der VG Bild-Kunst ermöglicht es mir derzeit, mich in dieses reichhaltige Thema einzufuchsen.